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Hormonersatztherapie – wie sicher ist sie heute?

Nicht nur während der Menopause haben uns Hormone fest im Griff. Zu Recht werden sie deshalb als Regisseure des Lebens bezeichnet. Was tun, wenn sie in den Wechseljahren aus der Balance geraten? Wie sicher ist eine Hormonersatztherapie heute?

Eine einheitliche Meinung dazu, wer, wann und wie lange Hormone nehmen sollte gibt es leider nicht. Die bekannte Gynäkologin Dr. Sheila de Liz empfiehlt quasi jeder Frau in und nach den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie: „Ab einem gewissen Alter läuft der Hormonmangel im Hintergrund wie chronischer Vitaminmangel. Die Schäden machen sich nicht sofort bemerkbar und zeigen sich erst später, zum Beispiel durch vaginale Probleme oder Inkontinenz.“

Auf die Sorgen der Frauen in Bezug auf die Hormonersatztherapie angesprochen spricht die Ärztin sogar von einer Hormon-Phobie, die vor allem durch die WHI Studie ausgelöst sei. „Die Ängste sind aber weitgehend unbegründet, denn die damals genutzten Mittel könne man überhaupt nicht mit den heutigen Präparaten vergleichen: „Früher wurden künstliche Hormone in Pillenform verschrieben, Östrogene und Gestagene in einer Pille verabreicht. Die neuen Hormone entsprechen dagegen exakt dem biologischen Original und sind deshalb unserem Körper nicht fremd.“

Hormonersatztherapie schon ab 40?

Auch die Münchner Privat Dozentin und Gynäkologin Dr. Silke Dabelstein plädiert dafür, Hormonmangel auszugleichen, allerdings nur, wenn tatsächlich Beschwerden vorliegen. „Dann allerdings sollte man nicht zu lange mit einer Hormonersatztherapie warten.“ Das Problem dabei sei, dass viele Betroffene bei ihren Beschwerden gar nicht daran denken, dass sie mit den Wechseljahren zusammenhängen. „So können unregelmäßige und krampfhafte Blutungen, Migräne, Gewichtszunahme oder Gelenkschmerzen erste Anzeichen der Wechseljahre sein und schon mit Anfang 40 auftreten“, erklärt Dr. Dabelstein Und Dr. de Liz betont:  „Nicht selten  fehlt Patientinnen in der Prämenopause das Wohlfühlhormon Progesteron, während sie Östrogen sogar im Überfluss haben.“

Und was sind aus heutiger Sicht Risiken und Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie? Eine einheitliche Meinung unter Experten gibt es leider auch dazu nicht. „Eindeutige Kontraindikationen sind aus meiner Sicht ein erhöhtes Brustkrebs- und Thromboserisiko“, erklärt Dr. de Liz. „Ansonsten überwiegen nach meiner Praxis-Erfahrung die gesundheitlichen Vorteile wie genitale und vaginale Gesundheit, Schutz der Harnblase, mehr Energie und geistige Fitness sowie Erhalt der Libido.“

Cremen statt schlucken

Den Hormonspiegel kann man sehr unkompliziert mit einem Speichel- oder Bluttest bestimmen lassen. Und wie lange kann oder sollte man Hormone einnehmen? Dr. Dabelstein vertritt die These: so lange wie nötig, aber so kurz und individuell wie möglich während Dr. de Liz eher keine Altersgrenze sieht, solange die Hormone kontrolliert und individuell angepasst sind.

In einem Punkt sind sich die Experten allerdings weitgehend einig: Für Östrogen gilt, dass cremen auf jeden Fall besser ist als schlucken. Denn Hormone, die transdermal zugeführt werden, belasten weder die Leber noch Magen und Darm. Die Wirkstoffe gelangen vielmehr direkt ins Blut und können deshalb auch niedriger dosiert werden. Progesteron gibt es weiterhin in Pillenform, Dosis und Anwendung sollten für beide Hormone individuell gestaltet und sehr regelmäßig (mindestens alle sechs Monate) kontrolliert werden.

Foto: astephan/Shutterstock.com

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