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Zahngesundheit für Sportler

Nach den fulminanten Ergebnissen unserer Athleten vom Team D in Pyeongchang (Südkorea) lohnt es sich den großartigen Erfolgen mal auf den Zahn zu fühlen. Und zwar nicht sprichwörtlich sondern buchstäblich – im Hinblick auf den Zahn- bzw. Mundschutz.

Der Tegernseer Zahnarztspezialist Dr. Siegfried Marquardt betreut als Team-Sportzahnarzt die deutsche Ski-Cross-Nationalmannschaft. Darüber hinaus kümmert er sich mit seiner Praxis um einige namhafte Profi-Fußballer und Ski-Fahrer und setzt dabei immer wieder Sportschutzschienen ein. Seine Nürnberger Kollegen aus der Praxis „edel&weiß“ um Dr. Florian Göttfert betreuen u.a. Eishockey-Spieler und Rodler. So wurde beispielsweise das Rodler-Team Tobias Wendl und Tobias Arlt Doppelolympiasieger! Obwohl Wendl noch zu Beginn der Saison Rückenprobleme hatte. Was das mit Mund- und Zahnschutz zu tun hat? „Eine Menge!“, versichern die versierten Zahnärzte.

Mehr Erfolg durch Sportschutzschiene

Dr. Marquardt erklärt: „Wir wissen heute, dass eine individuell und richtig angepasste Sportschutzschiene die Leistung des Athleten steigern kann!“ Sie beuge nicht nur Verletzungen vor und schütze den Zahn- und Mundbereich, sondern habe eine ganzheitliche Komponente. „Es ist wissenschaftlich unumstritten, dass das Kauorgan direkten Einfluss auf die Körperhaltung, die Muskulatur im Nacken- und Rückenbereich und auf den gesamten Bewegungsapparat hat,“ argumentiert der 50-jährige Zahnarztspezialist und weiter: „Ein ausgeglichener und balancierter Körper ist im Hochleistungssport oft ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg.“

Zahngesundheit für Sportler, Marina Jagemann, Sportschutzschiene, Tobias WendlDabei nehmen mehrere Aspekte aus der Zahnmedizin Einfluss auf den Sportler. Eine Sportschutzschiene ist, laut Marquardt, nur ein, wenn auch bedeutender Teil davon. Neben der Ausbalancierung des Körpers gewähre sie dem Sportler auch eine höhere Sauerstoffzufuhr: „Durch die richtige Positionierung des Unterkiefers durch die Sportschutzschiene erfolgt eine Erweiterung und bessere Belüftung der Atemwege.“ Zudem würden Entzündungen im Mundbereich (z.B. Parodontitis) die Performance des Sportlers negativ beeinflussen.

Gesund beginnt im Mund

Eine Studie über die Mundgesundheit von Sportlern habe ergeben, dass 76 Prozent an Zahnfleischentzündungen und 55 Prozent an Karies leiden. Um das zu vermeiden sei neben der Zahn- und Mundpflege auch eine ausgewogene und richtige Ernährung wichtig. Die Sportzahnmediziner sind überzeugt: „Vor allem für Sportler gilt: gesund beginnt im Mund.“ Weitere Studien hätten gezeigt, dass das Kauorgan neben Gleichgewicht und Koordination auch die Konzentration beeinflussen.

Sportschutzschiene nicht nur für Leistungssportler

Zahngesundheit für Sportler, Ski, Sportzahnschienen, Marina JagemannMarquardt erklärt anschaulich die auf- und absteigenden Ketten der Muskulatur, die wie ein Zahnrad aufeinander einwirken und die es zu stabilisieren gelte. Deshalb spricht er sich sehr für ein integratives Miteinander von Sportmedizinern, Osteopathen sowie Physiotherapeuten aber auch Internisten und Kardiologen aus. Und fordert, gemeinsam mit anderen Mitgliedern innerhalb der neugegründeten Deutschen Gesellschaft für Sportzahnmedizin (DGSZM) darüber hinaus, „dass vor allem im Leistungssport wir Zahnmediziner besser miteinbezogen werden müssen!“ Hier seien uns beispielsweise die Amerikaner weit voraus.

So früh wie möglich schützen

Natürlich seien Nachwuchssportler in den unterschiedlichsten Sportarten ebenfalls gut beraten, sich frühzeitig mit einem Zahn- bzw. Mundschutz vertraut zu machen. Marquardt: „Jeder, der seine Sportart optimieren, sich präventiv schützen und zudem seine Leistung steigern möchte, sollte sich mit den sportzahnmedizinischen Zusammenhängen beschäftigen.“ Für die ganz jungen Sportler, die noch in der Wachstumsphase sind, reiche seiner Meinung nach eine konfektionierte Schiene aus Kunststoff, die, in heißem Wasser eingeweicht und vom Sportzahnarzt betreut, auf den Ober- oder Unterkiefer angepasst werde.

Sobald das Wachstum abgeschlossen sei, sei dann eine ganz individuell aus speziellem Kunststoff gefertigte Schiene sinnvoll. Marquardt konkretisiert: „Je nachdem um welche Schiene es sich handelt und ob diese im Oberkiefer (z.B. bei Kontaktsportarten) oder im Unterkiefer (z.B. im Training) platziert wird, gibt es bewegliche und grazile Ausführungen aber auch starre und stabile Formen.“ Sie alle eine die individuelle Anpassung und die Ausbalancierung durch die richtige Zuordnung von Ober- und Unterkiefer.

Alles in Balance dank richtiger Therapie

Dabei erfolgt die Analyse der Kaubewegungen und deren Auswirkungen auf den Bewegungsapparat. Da aber eine falsche Anpassung des Mundschutzes auch negative Auswirkungen auf den Bewegungsapparat haben, will die DGSZM künftig interessierten Zahnärzten Fortbildungsmöglichkeiten anbieten: „Erfahrung und Weiterbildung auf dem Gebiet der Sportzahnmedizin sind notwendige Grundpfeiler für die qualifizierte Therapie.“ Der Zahnmediziner ist davon überzeugt, dass durch die gezielte Betreuung von Vereinen, Verbänden und/oder auch Einzelsportlern die gewonnen Erkenntnisse auch auf den Breitensport übertragbar sind.

Kosten für Sportschutzschienen

Die Kosten für die Sportschutzschienen liegen laut Dr. Marquardt zwischen unter 50 (konfektioniert bei Kindern) und bis etwa 300 Euro (individuell bei Erwachsenen). Sie seien keine Kassenleistung, außer es komme noch eine therapeutisch funktionelle Komponente hinzu. „Aber einen Fahrradhelm zahlt die Kasse ja auch nicht,“ argumentiert der Sportzahnmediziner aus Überzeugung für den weitreichenden Schutz der Sportschiene.

Ein wichtiger Aspekt ist für den zweifachen Vater aber auch das große Gebiet der Sport-Traumatologie: „Wir Zahnärzte haben auf diesem Gebiet eine besondere Verantwortung und ebenso eine Aufklärungspflicht, damit jeder Sportler im Falle eines Unfalls die richtigen Entscheidungen trifft und den passenden Sportzahnarzt aufsuchen kann.“ Die DGSZM bietet diesbezüglich eine herausragende Plattform, diverse Curriculas und Masterprogramme an.

Sport auch für den Mediziner ein wichtiger Ausgleich

Zahngesundheit für Sportler, Marina JagemannMarquardt verrät: „Es gelingt nicht immer, aber natürlich versuche ich regelmäßig mich körperlich fit zu halten und selbst die Prinzipien der Sportzahnmedizin zu berücksichtigen.“ Egal ob zu Hause oder auf Reisen, er habe stets seine Laufschuhe dabei und versuche überall seinen Hobbies nachzugehen: Tennis, Skifahren und Mountainbiken. Ob er beim Sport auch eine Zahnschutzschiene trägt? Die Antwortet lautet: „Selbstverständlich!“ War ja eigentlich auch selbstverständlich.

 

 

 

Text: Bettina Sewald

Fotos: Alan-Hurt jr./Shutterstock.com; Urban-Sanden/Shutterstock.com/edel&weiss

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