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Wieviele Vitamine braucht man, um das Immunsystem zu stärken?

Man schmeckt sie nicht, man sieht sie nicht und trotzdem sind Vitamine essentiell wichtig für unsere Gesundheit. Sind sie jetzt besonders wichtig um das Immunsystem zu stärken?

Sie regulieren den Stoffwechsel, stimulieren das Immunsystem und sorgen für mentale Fitness. Doch wie groß ist heute die Gefahr, nicht ausreichend mit Vitaminen versorgt zu sein? Reicht eine ausgewogene Ernährung aus, um den täglichen Vitaminbedarf zu decken? Kann man damit das Immunsystem stärken?

Immer wieder gibt es Studien, die das Für und Wider von Nahrungsergänzungsmitteln untersuchen. Nicht ganz einfach, sich da ein klares Bild zu verschaffen. Ein Interview mit dem Internisten und Experten für Biologische Medizin Dr. Jochen Henn zu der Frage: wie kann man mit Vitaminen das Immunsystem stärken?

Wie groß ist heute die Gefahr, nicht ausreichend mit Vitaminen versorgt zu sein?

Die Studienlage ist in der Tat für den Laien verwirrend. Das liegt in erster Linie daran, dass fast ausschließlich einzelne, synthetisch hergestellte Vitamine untersucht wurden, deren Einnahme tatsächlich kontraproduktiv sein kann. Außerdem geht es beim Thema Gesundheit nicht nur um Vitamine, sondern auch um Mikronährstoffe wie Mineralien, Spurenelemente und vor allem sekundäre Pflanzenstoffe.

Verschiedene Gemüse, Kräuter und Obst sind Power Food PaareReicht eine ausgewogene Ernährung für ein gesundes Immunsystem?

Nein, in aller Regel leider nicht mehr. Das liegt daran, dass der Vitalstoffgehalt in unseren heutigen Nahrungsmitteln deutlich abgenommen hat, der Bedarf aber durch Stress und Umwelteinflüsse stetig wächst. Selen beispielsweise findet man nicht einmal in Biogetreide in ausreichendem Maße, weil die Böden in Mitteleuropa selenarm sind. Selen ist aber zum Beispiel ein ganz wichtiges Element für das Immunsystem und den Zellschutz sowie die körpereigene Entgiftung. Ein Mangel führt über Jahre zu Stoffwechselentgleisungen und in der Folge zu Zellalterung und chronischen Krankheiten.

Sind wir also heute tatsächlich auf zusätzliche Mikronährstoffeinnahme angewiesen?

Das ist leider bei den meisten Menschen der Fall, es sei den man hat seinen eigenen Garten vor Tür. Unser Zellstoffwechsel folgt noch immer dem genetischen Programm der Steinzeit. Damals hatten die Menschen eine völlig andere Ernährungssituation. Sie hatten eine mikronährstoffreiche Fitnesskost mit wertvollen Proteinen aus Wildfleisch, reichlich sekundären Pflanzenstoffen, basischen Mineralien und Ballaststoffen aus Beeren und Obst sowie ungesättigte Fettsäuren aus Fischen.

Omega 3 und Omega 3 als JungbrunnenImmunsystem stärken mit Omega 3 Öl

Heute dagegen sind drei Viertel der Nahrungsmittel industriell verändert. Mit Konservierungs- und Geschmacksverstärken, überzuckert, arm an Ballaststoffen und säurebildend. Dazu nutzlose Kalorien in Form von falschen Fetten und sie enthalten so gut wie keine wertvollen Mikronährstoffe. Ich empfehle deshalb unter anderem die regelmäßige Einnahme von Omega 3 Öl. Das sollte allerdings nicht in Pillenform, sondern als Öl eingenommen werden und aus kontrollierter Herstellung stammen, wie zum Beispiel Pure Arctic Oil.

Ist darin die Zunahme von sogenannten Zivilisationskrankheiten begründet?

Das bestätigt sich leider täglich in meiner Praxis. Krankheiten wie Diabetes II, Rheuma oder Arteriosklerose mit den Folgen von Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Übergewicht schon im Kindesalter nehmen stetig zu. Auch chronische Müdigkeit und Schmerzen sind fast täglich ein Thema in der Sprechstunde und auf eine Mangelsituation an Vitaminen und eine Übersäuerung zurückzuführen.

Wie sollte man Vitamine dosieren?

Man sollte Vitamine nicht einfach wahllos einnehmen, sondern vorher eine Blutanalyse zum Status der Versorgung mit Mikronährstoffen machen und dann gezielt Mängel ausgleichen. So haben Raucherinnen einen erhöhten Bedarf an Antioxidantien, und in besonders stressigen Zeiten steigt der Magnesiumverbrauch an. Ältere Menschen nehmen häufig regelmäßig Medikamente ein, die man als Vitaminräuber bezeichnen kann. Die Empfehlungen der Fachgesellschaften sind in der Regel zu niedrig und vor allen Dingen nicht individuell zugeschnitten.

Ist die Rolle von Vitaminen für den Organismus ausreichend erforscht?

Insgesamt sind sicher weitere Studien erforderlich, um die Rolle von Vitaminen für den Organismus vollständig zu klären. Vor allem bei den etwa 20.000 Pflanzenstoffen gibt es noch viel Potenzial für die Gesundheit zu entdecken.

Anti-Aging Strategien: Medizinisch gesehen ist der Personalausweis ein ungenaues Dokument. Das Geburtsdatum hat nur wenig damit zu tun, wie alt jemand aus Anti-Aging Sicht ist.Und die Bedeutung der Psyche?

Auch die Psyche hat Einfluss auf das Immunsystem. Wie genau, sei zwar immer noch ein großes Geheimnis in der Medizin. Aber man wisse inzwischen, dass Nervenstränge aus einer Teilregion des Gehirns direkt mit Immunzellen verknüpft seien. Deshalb ist zum Beispiel dauerhafter Stress was Schlechtes. Das führt nämlich dazu, dass bestimmte Substanzen im Immunsystem weniger produziert werden, die eben Krankheitserreger wie Viren abwehren und gleichzeitig die Stresshormone ansteigen – und die unterdrücken dann eine gute Antwort des Immunsystems.

Gibt es maßgeschneiderte Lösungen in Sachen Vitaminversorgung?

In meiner Praxis bemühe ich mich um ein „metabolisches Tuning“, gemeint ist damit eine individualisierte, bedarfsgerechte Versorgung. Und: Ich rate meinen Patienten dazu selber zu kochen, ohne die Mikrowelle zu nutzen. Sie ist der Feind der Mikronährstoffe. Wer selber traditionell kocht bleibt länger fit.

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