Fasten klingt zunächst nach Verzicht. Rohkost nach Konsequenz. Beides wird oft schnell in eine Ecke gestellt: entweder als Wellness-Trend, als radikale Gesundheitsmethode oder als etwas, das man nur mit sehr viel Disziplin durchhält.
Im Gespräch mit Dr. Cijith Sreedhar, medizinischer Leiter der indischen Klinik Prakriti Shakti, die von der von CGH Earth Wellness Gruppe betrieben wird, wurde schnell klar: So einfach ist es nicht. Fasten bedeutet nicht, den Körper zu bestrafen. Und Rohkost ist nicht automatisch gesünder, nur weil sie roh ist.
In unserer englischsprachigen Podcastfolge sprechen wir mit Dr. Cijith darüber, was während des Fastens im Körper passiert, warum manche Menschen sich dadurch klarer und energiegeladener fühlen, welche Rolle Rohkost spielen kann — und wo man bei Gesundheitsversprechen vorsichtig bleiben sollte.
CGH Earth verbindet in seinen Wellness-Programmen unter anderem Naturheilkunde, Yoga, Meditation, bewusste Ernährung und Elemente wie intermittierendes Fasten sowie rohe oder halb gegarte pflanzliche Mahlzeiten. Der Ansatz ist ganzheitlich, aber nicht laut. Genau das macht das Gespräch so interessant: Es geht weniger um Extreme, sondern mehr um Rhythmus, Einfachheit und Körperbewusstsein.
Fasten ist nicht einfach „nichts essen“
Einer der wichtigsten Gedanken aus dem Interview: Fasten ist nicht dasselbe wie Hungern.
Wer einfach Mahlzeiten auslässt, ohne Vorbereitung, ohne genug Flüssigkeit, ohne Ruhe und ohne achtsamen Wiedereinstieg, tut dem Körper nicht automatisch etwas Gutes. Fasten braucht Struktur. Es ist eine bewusste Pause — nicht eine Challenge.
Gerade weil wir heute oft ständig essen, snacken oder nebenbei etwas trinken, kann schon eine längere Essenspause über Nacht spürbar sein. Nicht spektakulär. Aber beruhigend. Der Körper bekommt Zeit, sich nicht permanent mit Verdauung zu beschäftigen.
Auch die Forschung zu intermittierendem Fasten zeigt mögliche Vorteile, etwa für Stoffwechsel, Gewicht und bestimmte Gesundheitsmarker. Gleichzeitig ist Fasten kein Wundermittel und nicht für jeden Menschen geeignet. Langzeitdaten und individuelle Voraussetzungen bleiben wichtig.
Macht Fasten glücklicher?
Dr. Cijith wurde im Gespräch auch gefragt, ob Fasten Menschen wirklich glücklicher machen kann.
Vielleicht ist „glücklicher“ nicht das beste Wort. Manche Menschen fühlen sich beim Fasten leichter, ruhiger oder klarer. Andere werden müde, gereizt oder bekommen Kopfschmerzen. Der Körper reagiert nicht bei allen gleich.
Was Fasten aber auslösen kann, ist Bewusstsein. Man merkt plötzlich, wie oft man nicht aus Hunger isst, sondern aus Gewohnheit, Stress, Langeweile oder Unruhe. Genau darin liegt für viele der eigentliche Effekt: weniger Ablenkung, mehr Wahrnehmung.
Fasten kann also weniger ein Weg zu schneller Selbstoptimierung sein — und eher eine Einladung, dem Körper wieder genauer zuzuhören.

Detox: besser von Entlastung sprechen
Kaum ein Begriff wird im Wellness-Bereich so häufig benutzt wie Detox. Er klingt nach Reinigung, Reset und Neuanfang. Gleichzeitig verspricht er oft mehr, als seriös haltbar ist.
Unser Körper ist nicht darauf angewiesen, durch eine Kur „entgiftet“ zu werden. Leber, Nieren, Darm, Lunge und Haut arbeiten täglich daran, Stoffe zu verarbeiten und auszuscheiden. Fasten kann den Körper entlasten, weil Verdauung und ständige Nahrungsaufnahme pausieren. Aber es ist keine magische Reinigung.
Vielleicht ist „Entlastung“ deshalb das ehrlichere Wort. Entlastung von zu viel Essen, zu viel Zucker, Alkohol, schweren Mahlzeiten, ständigem Snacken — und manchmal auch von dem Gefühl, immer funktionieren zu müssen.
Rohkost: frisch, wertvoll — aber nicht automatisch besser
Rohkost hat ein sehr positives Image. Frisch, bunt, leicht, natürlich. Und ja: Obst, Gemüse, Kräuter, Nüsse und Samen sind wichtige Bestandteile einer gesunden Ernährung. Die WHO empfiehlt eine vielfältige Ernährung mit möglichst unverarbeiteten oder wenig verarbeiteten Lebensmitteln und rät dazu, freie Zucker, ungesunde Fette und zu viel Salz zu begrenzen.
Aber roh ist nicht automatisch besser.
Manche Lebensmittel werden durch Kochen bekömmlicher. Manche Nährstoffe sind nach dem Erhitzen sogar besser verfügbar. Und manche Dinge sollte man aus Sicherheitsgründen nicht roh essen — zum Beispiel rohe Eier, Rohmilchprodukte, rohes Fleisch oder bestimmte rohe Sprossen. Die FDA warnt insbesondere bei Rohmilch und rohen Sprossen vor möglichen Krankheitserregern.
Das macht Rohkost nicht problematisch. Es macht sie nur weniger simpel.
Eine gute Ernährung muss nicht radikal roh sein. Sie darf frisch, pflanzlich und naturbelassen sein — aber auch warm, gekocht, nährend und bekömmlich.

Braucht man Fasten, wenn man sich roh ernährt?
Rohkost und Fasten werden oft zusammen gedacht. Dabei sind es zwei verschiedene Dinge.
Rohkost beschreibt, was wir essen. Fasten beschreibt, wann wir nicht essen.
Auch wer sehr frisch und naturbelassen isst, gibt dem Körper nicht automatisch längere Pausen. Und umgekehrt macht Fasten eine unausgewogene Ernährung nicht gesund. Entscheidend ist nicht eine einzelne Methode, sondern das Gesamtbild: Wie regelmäßig esse ich? Wie stark verarbeitet sind meine Mahlzeiten? Wie gut schlafe ich? Wie viel Stress trägt mein Körper jeden Tag?
Zucker oder Fett: die falsche Gegensätzlichkeit
Im Interview ging es auch um die Frage, was gefährlicher ist: Zucker oder Fett.
Die ehrlichere Antwort: Es kommt darauf an.
Nicht jedes Fett ist schlecht. Nüsse, Samen, Avocado oder hochwertige Öle sind etwas anderes als stark frittierte Snacks. Und Zucker aus einem Stück Obst ist nicht dasselbe wie Zucker in Softdrinks oder hochverarbeiteten Süßwaren.
Problematisch sind oft nicht einzelne Nährstoffe, sondern stark verarbeitete Produkte, die Zucker, ungünstige Fette, Salz und wenig Ballaststoffe kombinieren. Vielleicht sollten wir deshalb weniger fragen: „Ist Zucker oder Fett schlimmer?“ Und mehr: „Wie weit ist dieses Lebensmittel noch von seinem Ursprung entfernt?“
Was wir oft unterschätzen
Viele Gesundheitsroutinen wirken kompliziert. Dabei sind es oft die einfachen Dinge, die wir unterschätzen: genug Schlaf. Wasser trinken. Langsamer essen. Regelmäßige Bewegung. Frische Mahlzeiten. Pausen zwischen den Mahlzeiten. Nicht jeden Hunger sofort mit einem Snack beantworten.
Genauso unterschätzen wir, wie ungesund ständiger Stress, spätes Essen, zu wenig Ruhe und stark verarbeitete „Healthy“-Produkte sein können.
Vielleicht ist genau das die schönste Botschaft aus dem Gespräch mit Dr. Cijith Sreedhar: Gesundheit beginnt nicht erst bei einer Kur. Sie beginnt im Alltag.
Nicht perfekt. Aber wiederholbar.
Das wichtigste Learning
Fasten und Rohkost müssen nicht radikal gedacht werden. Es geht nicht darum, den strengsten Plan zu finden oder den Körper immer weiter zu optimieren.
Vielleicht geht es vielmehr darum, einfacher zu werden. Mahlzeiten bewusster zu wählen. Dem Körper Pausen zu geben. Wieder zu merken, wann man wirklich Hunger hat — und wann man eigentlich Ruhe, Schlaf, Bewegung oder weniger Reiz braucht.
Die vollständige Podcastfolge mit Dr. Cijith ist auf Englisch verfügbar und vertieft diese Fragen aus seiner naturheilkundlichen Perspektive

Prakriti Shakti steht für ganzheitliche Heilung im Einklang mit der Natur. Im Mittelpunkt stehen Ursachenforschung und präventive Ansätze, bei denen Elemente der Natur mit Yoga, Meditation und moderner Naturheilkunde kombiniert werden, um das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele wiederherzustellen. Die Lage auf einem Hügel in Panchalimedu, Kerala, bietet eine unberührte Umgebung fernab vom Alltagstrubel.
Das Prakriti Shakti ist offiziell von der indischen Regierung als Klinik durch das „National Accreditation Board for Hospitals & Healthcare Providers“ (NABH) zertifiziert.
Prakriti Shakti – Klinik für Naturheilkunde
Panchalimedu, Idukki 685532
Kerala, Indien
Das Prakriti Shakti wird betrieben von der renommierten indischen Hotel- & Medical Wellnessgrupp CGH Earth Wellness. CGH Earth Wellness ist Teil der renommierten indischen CGH Earth Group und steht seit Jahrzehnten für nachhaltige Hotellerie und verantwortungsbewussten Tourismus. Mit dem Fokus auf ganzheitliche Heilmethoden und bewusste Lebensführung setzt die Medizin- und Wellness-Sparte der Gruppe neue Maßstäbe im Bereich Medical & Wellness Travel.
CGH Earth Wellness
Kerala, Indien

