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Gabrielle Chanel und das Kino

Sehnsucht Kino! Wäre es nicht herrlich, wieder einmal mit Freunden im Kino zu sitzen? Statt dessen: Von Bond bis Wonder Woman – über 100 Filme sind verschoben und die Kinos deutschlandweit bis auf weiteres geschlossen. Und was hat Gabrielle Chanel mit dem Cinema zu tun? Eine Menge…

Kaum zehn Jahre trennen die Geburt von Gabrielle Chanel 1883 von der des Kinos im Jahr 1895. Eine prophetische Verbindung, wie sich zeigen wird.

Als Gabrielle Chanel noch nicht Coco Chanel war

Sie war noch ein Kind, als das Kino zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine regelrechte Revolution in der Kunst auslöste, indem es Bilder in Bewegung setzte. Als Modeschöpferin war es genau diese Bewegung, die den Kern ihrer Idee bildete, nämlich den Körper zu befreien, um weiblichen Silhouetten Rhythmus zu verleihen.

Ihre Intuition ermöglichte es ihr, schnell zu begreifen, welche Bedeutung dieses neue Medium für die Kultur des 20. Jahrhunderts haben sollte. Sie erkannte die Chance, Mode und Film zusammenzuführen: „Durch Kino kann Mode heute umgesetzt werden“, sagte sie 1931 und war sich der Wirkung für ein größeres Publikum klar bewusst.

Im selben Jahr bat sie der Filmmogul und Produzent von United Artists, Samuel Goldwyn, seine Schauspielerinnen einzukleiden. Ein neues Projekt, das besonders im Film Tonight or Never (1931) deutlich erkennbar wurde, in dem Chanel Gloria Swansons Kostüme entwarf. Zudem gehörte ein Flakon N°5 zu dem Dekor.

Dennoch schien die Pariser Eleganz nicht passend für Kritiker und Schauspielerinnen in Hollywood. Gabrielle weigerte sich Kompromisse einzugehen, schlug Hollywood die Türen zu, aber nahm etwas mit, dessen sie sich absolut sicher sein konnte: ein ausgesprochenes Gespür für Fotogenität, das ihr ermöglichte, Schnitte und Stoffe zu wählen, die der Silhouette schmeicheln, um das Licht auf der Leinwand perfekt einzufangen.

Chanel und “The French New Wave”

Zurück in Paris kooperierte Gabrielle Chanel mit diversen französischen Regisseuren: Marcel Carnés Le Quai des Brumes (1938), Jean Renoirs La Marseillaise (1938), The Human Beast (1938) und The Rules of the Game (1939), für den sie die Kostüme aller weiblichen Rollen entwarf. Die Attitüde einer der Schauspielerinnen, die mit den Händen in den Taschen posierte, verkörperte den feminin-maskulinen Stil, den Gabrielle Chanel liebte. Als der Film veröffentlicht wurde, wurde der Krieg erklärt. Es sollte Gabrielle Chanels letzte künstlerische Zusammenarbeit mit dem Vorkriegskino sein.

Nach ihrer Rückkehr in die Modeszene in den 1950er Jahren wurde Coco Chanels Vision von Mode durch das legendäre Bouclé-Kostüm verkörpert, das perfekt zu der Modernität einer aufstrebenden Kinoästhetik passte: The French New Wave. Jeanne Moreau, die eine enge Freundin von Gabrielle wurde, wählte selbstverständlich Chanel für ihre Rollen in The Lovers(1958), Elevator to the Gallows (1958) und Les Liaisons Dangereuses (1960). Als Inbegriff der Moderne entschieden sich fortan viele Schauspielerinnen der New Wave – als Verkörperung zeitloser Moderne.

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Foto: Krits Luhaers

Video: Chanel

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